Lesen statt hören
 
Untertitel um jeden Preis? oder Wer nicht hören kann, muss lesen.

Gehörlos und Schwerhörige können einer Fernsehsendung oft gar nicht oder nicht ohne Missverständnisse folgen, weil sie den Ton als einen der zentralen Informationsträger audiovisueller Medien gar nicht oder nur eingeschränkt wahrnehmen. Sie sind also auf Hilfsmittel angewiesen - um jeden Preis.

Zielgruppe:
60 000 Gehörlose
6 Mio. Schwerhörige

In Deutschland sind rund 60.000 Gehörlose und etwa 6.000.000 Schwerhörige davon betroffen. Damit auch für sie das Fernsehprogramm als Quelle von Information und Unterhaltung nutzbar wird und damit ein Stück Lebensqualität vermittelt, bedarf es spezieller zusätzlicher Hilfen, wie den Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern, die von etwa 150.000 Betroffenen verstanden werden, oder Untertitel. (Quelle: Renate Welter, Vizepräsidentin des Deutschen Schwerhörigenbundes DSB)

Emotionales Erleben
des Films

Die Grundidee einer Untertitelung – und das gilt für Fremdsprachenuntertitel für Hörende gleichermaßen – ist ein möglichst emotionales Erleben des Films unter Beibehaltung seiner dramaturgischen Akzente. Im Idealfall beeinträchtigt der Lesevorgang den Sehgenuss nur marginal.

Credo des Untertitlers

Diesen Ansatz umzusetzen, ist für einen Untertitler die oberste Pflicht, sozusagen sein Credo. Wer allerdings mit wachem Auge im Fernsehen sich Sendungen mit „Untertiteln für Hörgeschädigte“ ansieht, der wird – bedauerlicherweise – feststellen müssen, dass genau dieser Aspekt allzu oft geopfert wird, angeblich um den besonderen Anforderungen des Zielpublikums gerecht zu werden. Als Erklärung wird meist angeführt, „es gehe nicht anders“. Wir teilen diese Auffassung nicht!

Besondere Anforderungen

Es ist sicherlich korrekt, dass es diese besonderen Anforderungen gibt und dass es daher auch notwendig ist, darauf einzugehen. Das darf jedoch nicht dazu führen, dass beim Lesen solcher Untertitel das Gefühl entsteht, sie seien eher für Ungebildete mit minimaler Sprachkompetenz gemacht, und es gehe nur darum, das Geschehen halbwegs verständlich, aber ohne jede Nuance des Originals schriftlich abzubilden.

Respektvoller Umgang
mit dem Untertitelleser

Abgesehen davon, dass sämtliche Spätertaubten und Schwerhörigen, also die über- wiegende Mehrheit aller hörgeschädigten Nutzer, über die  komplette Sprachkompetenz verfügt und darum bei ihnen dieses Vorgehen völlig unnötig ist, können auch jene, die tatsächlich diesbezügliche Einbußen aufweisen, mit Recht verlangen, dass sie als vollwertige, intelligente Menschen respektvoll behandelt werden.

 
 


Christoph Marthalers
Großherzogin von Gerolstein
erfolgreich untertitelt ...
 

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